Rote Vogelmilbe

Bei Sittichen, die fast nur in der Wohnung gehalten werden, spielt die Rote Vogelmilbe kaum eine Rolle. Häufiger sind Sittiche in einer Außenvoliere betroffen.

Symptome:
Unruhe, Schlaflosigkeit, häufiges Putzen und Kratzen, besonders am Abend und nachts. Außerdem Blutarmut. Teilweise wird das Gelege nicht mehr aufgesucht, Nestlinge zeigen Entwicklungsstörungen und können an Entkräftung sterben.


Ursache:
Die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) ist ein ca. 0,6 - 1,0 mm großer weißer blutsaugender Ektoparasit (d. h. ein auf dem Vogel befindlicher Parasit), dessen Körper sich durch die Aufnahme des Blutes rot färbt. Daher stammt auch der Name Rote Vogelmilbe.

Sie kann durch Neuzugänge, Wildvögel (Außenvoliere) oder in selteneren Fällen durch das Rausstellen der Käfige im Sommer (UV-Licht) auf Terasse oder Balkon oder auch durch eingesammelte Baumzweige eingeschleppt werden. Der Nutzen des UV-Lichts ist übrigens viel größer als das Risiko die Rote Vogelmilbe dadurch einzuschleppen, so dass Sie auf das "Sonnenbad" (halb Schatten, halb Sonne) für die Sittiche nicht verzichten sollten. Der Nutzen ist auch bei Naturzweigen viel größer als das Risiko, lassen Sie sich dadurch also nicht abschrecken. Bürsten Sie die Zweige unter heißem Wasser gut ab, um einem Befall vorzubeugen.
Diese nachtaktive Milbenart hält sich nicht nur auf den Vögeln auf. Tagsüber leben sie in Ritzen, Spalten, unter Bodenschubladen, im Nistmatierial oder auf Sitzstangen sowie in der Tapete. Nachts suchen sie die Sittiche auf, um sich von ihrem Blut zu ernähren, weshalb sich die Unruhe der befallenen Vögel in dieser Zeit deutlich verstärkt.


Diagnose:
Wenn Sie Sittiche mit den beschriebenen Symptomen besitzen, hängen Sie abends ein weißes Tuch über den Käfig. Nachts oder frühmorgens können Sie, ggf. mit Hilfe einer Lupe, bewegliche rote Punkte auf dem Tuch erkennen. Es handelt sich um die mit Blut gefüllten Milben. Diese Diagnose ist eindeutig.


Therapie:
Die Rote Vogelmilbe kann bis zu ca. 6 Monaten ohne Blut überleben. Daher ist eine einmalige oberflächliche Desinfektion nicht ausreichend.

Die Sittiche werden zweimal im Abstand von ca. 2 - 4 Wochen mit entsprechenden Insektiziden (z. B. Malathinon, Permethrin) behandelt. Die gesamte Umgebung muß ebenfalls desinfiziert werden. Wenn Sie noch keine Erfahrung mit der Roten Vogelmilbe haben, sollten Sie einen vogelkundigen Tierarzt zurate ziehen und ihn nach einem geeigneten Mittel und seiner Anwendung fragen.

Vor der Desinfektion der Voliere und dem Zubehör müssen die Sittiche aus dem Käfig oder der Voliere genommen werden, damit sie die giftigen Dämpfe nicht einatmen. Es gibt sogenannte Verneblungsmaschinen, die das Insektizid in die feinste Ecke verteilen, so dass wirklich jede Ecke erreicht wird.
Gegebenenfalls müssen der Käfig und die betroffenen Gegenstände zwei Stunden nach der Desinfektion mit Wasser abgewaschen werden, damit die Sittiche nicht in Kontakt mit dem Gift kommen. Dies hängt vom verwendeten Mittel ab.
Diese Behandlung muß nach wenigen Tagen wiederholt werden, da Insektizide nur die erwachsenen Milben abtöten, nicht die Eier.

Sitzäste, Nistmaterial, Einstreu, Futternäpfe sowie weitere mögliche Schlupfwinkel sollten entsorgt werden.
Wenn Sie Naturzweige als Sitzstangen verwenden, sollten Sie sie in Zukuft vor Gebrauch gründlich reinigen.


Hinweis:
Die Rote Vogelmilbe kann auch den Menschen oder andere Haustiere übertragen werden.
Die Rote Vogelmilbe kann während des Blutsaugens unter anderem Viren, Salmonellen oder Chlamydien übertragen.
Der Befall mit der Roten Vogelmilbe kann Nestlinge töten.

Räudemilben
auch Grabmilben, Schnabelräude, Schnabelschwamm


Symptome:
Die Krankheit wird auch Schnabelräude genannt, obwohl auch die Augenregion, Bürzeldrüse, Beine und der Kloakenbereich betroffen sein können.
Meistens geht die Schnabelräude von den Schnabelwinkeln aus. Bildung von grauweißen schwammartigen Borken im Gesichtsbereich, besonders auf dem Schnabels sowie der Schnabel- und Augenumgebung.
Unruhe, Juckreiz.
Wenn nicht rechtzeitig behandelt wird, kann der Schnabel brüchig werden und es kann zu Deformationen und übermäßigem Wachstum des Schnabels kommen.
Wenn die Beine betroffen sind, sind dort ebenfalls entsprechende Wucherungen zu sehen.


Ursache:
Räudemilben: Die rundlichen, ca. 0,4 x 0,3 mm großen Weibchen graben sich in das Schnabelhorn und die Haut ein, wo sie ihre Eier ablegen. Durch das Eindringen und die Stoffwechselpordukte der Milben entzündet sich die Haut. Daraufhin bilden sich die unter Symptome beschriebenen Borken.

Räudemilben sind oft schon lange vorhanden, manchmal schon Monate oder sogar Jahre. Häufig werden die Parasiten beim Kauf eines Vogels unbemerkt eingeschleppt. Durch das gesunde Immunsystem werden sie an der Vermehrung gehindert, so dass keine Symptome sichtbar sind. Andere Krankheiten, Streß oder Mangelernährung, die das Immunsystem schwächen, begünstigen die Vermehrung, bis schließlich die Ablagerungen im Bereich des Schnabels sichtbar werden.

Infektionsquellen sind häufig Zuchtanlagen. Die Übertragung erfolgt direkt durch das Füttern der Jungvögel.


Diagnose:
Bei starkem Befall sind die Symptome eindeutig, außerdem lassen sich die Bohrlöcher der Milben auf den befallenen Stellen erkennen.
Ansonsten Nachweis der Milben im Hautgeschabsel.


Therapie:
Milbensprays aus der Zoohandlung sind gegen Räudemilben unwirksam. Außerdem sind ihre giftigen Dämpfe gesundheitsschädlich für Sittiche.

Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten.

In schwachen Fällen können Sie selbst Paraffinöl oder Vaseline mit einem Wattestäbchen auf die betroffenen Stellen auftragen. Dadurch werden die Bohrlöcher verstopft, die Milben ersticken. Die eingeweichten Borken lösen sich mit der Zeit wieder ab. Die Behandlung sollte über mehrere Tage wiederholt werden, auch wenn die Borken bereits abgefallen sind. Wenn die Beine ebenfalls befallen sind, können Sie den Fußring entfernen lassen, um alle Stellen erreichen zu können und eingewachsene Fußringe ggf. zu vermeiden.
Untersuchen Sie den Sittich genau, um alle befallenen Stellen behandeln zu können.


Hinweis:
Bei einem stärkeren Befall und auch, wenn die Augenregion betroffen ist, ist die Behandlung mit einem Milben-Präperat vorzuziehen.

Diese Methode ist allerdings eher für zahme Sittiche geeignet, für scheue oder ängstliche Sittiche ist das mehrfache Einfangen und Einreiben möglicherweise zu stressig.

Falls Sie nicht wissen, wie Sie den Vogel bei der Behandlung richtig halten müssen, fragen Sie Ihren Tierarzt.

Alternativ oder bei stärkerem Befall kann ein vogelkundigen Tierarzt ein Milben-Präperat auf den Nacken träufeln (sogenannte "Spot-On-Methode"), das die Milben abtötet. Diese Behandlung muß ein- bis zweimal wiederholt werden.

Zusätzlich sollte darauf geachtet werden, dass der Vogel genügend Vitamine erhält.
Streß sollte vermieden werden.

Luftsackmilben
Sternostoma tracheacolum


Symptome:
Eine schwacher Milbenbefall bleibt meistens ohne Symptome.
Im fortgeschrittenen Stadium treten Heiserkeit, Niesen, Husten, Würgen, Kopfschleudern, schleimiger Nasenausfluß und Probleme mit der Atmung auf. Der Sittich atmet mit geöffnetem Schnabel, bei näherem Hinhören kann man pfeifende oder rasselnde Atemgeräusche hören. Die Symptome verstärken sich häufig abends und nachts.
Im weiteren Verlauf kommt es zu Blutungen in den Luftsackwänden und den Lungen sowie zu Abmagerung und häufig auch zu kahlen Gefiederstellen.
Unbehandelt kann der betroffene Sittich sterben.


Ursache:
Luftsackmilben (Sternostoma tracheacolum), die die Luftsäcke, aber auch die Luftröhre und die Lungen befallen. Diese etwa 0,7 x 0,4 mm großen geblich-braunen Milben klammern sich an den Schleimhäuten des Wirtsvogels fest, um Blut zu saugen. Die im Lungengewebe wandernden Weibchen legen dort Eier ab, aus denen Larven schlüpfen und sich innerhalb von drei Wochen zu ausgewachsenen Milben entwickeln.
Durch Kopfschleudern, Husten und Würgen versucht der Sittich diese Parasiten wieder loszuwerden.

Luftsackmilben können direkt (Füttern des Partnervogels oder der Jungvögel) oder indirekt (z. B. durch das Aushusten über Futter oder Wasser) übertragen werden.


Diagnose:
Die Symptome sind recht eindeutig.
Bei kleinen Sittichen können Sie selbst die Erstdiagnose stellen. Halten sie den Sittich mit befeuchteten Federn an der Halsgegend gegen helles Licht (Taschenlampe z. B.). In der Halsgegend werden die Milben als kleine dunkle Punkte sichtbar. Dies kann auch der Tierarzt für sie übernehmen. Bei großen Sitticharten bleibt meistens nur die Diagnose anhand des klinischen Bildes, also anhand der Symptome.
Häufig verwechseln Halter (und auch vogelunkundige Tierärzte!) die Symptome wie Würgen und Kopfschütteln mit einer Kropfentzündung Pfeifende oder rasselnde Atemgeräusche und Husten deuten allerdings meistens auf Luftsackmilben hin.


Therapie:
Bei Parasitenbefall müssen Sie einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen. Er kann ein Präperat (meistens Ivermectin) geben, welches die Milben abtötet. Dieses Präperat wird vom Tierarzt auf den Nacken geträufelt (sogenannte "Spot-On-Methode"). Damit das Präperat auf jeden Fall wirkt, muß die Behandlung etwa zweimal wiederholt werden. Sonst werden nur die erwachsenen Milben abgetötet, während die Eier unbeschadet bleiben, so dass erneut ein Milbenbefall auftritt, nachdem die Larven geschlüpft und ausgewachsen sind. Vorsorglich sollten alle Vögel im Bestand behandelt werden.

Die Futter- und Wassernäpfe sollten besonders gut gereinigt und ggf. desinfiziert werden, damit es nicht zu erneuten Ansteckungen kommt.

Kalkbeinmilbe
Kneimidokoptes mutans


Symptome:

Entzündungen an den Beinen, danach Bildung von dicken weißgrauen Belägen, Unruhe, Juckreiz, Schmerzen. Bei genauerem Hinsehen sind kleine Bohrlöcher in der Haut zu erkennen.
Leicht zu verwechseln mit der Räudemilbe. Die Kalkbeinmilbe befällt bevorzugt Beine und Füße, während die Räudemilben auch die Schnabelregion befällt.


Ursache:
Kalkbeinmilbe (Knemidokoptes mutans).
Es handelt sich um kugelförmige Milben mit vier Beinpaaren, die beim ca. 0,25 mm langen Männchen mit Haftscheiben enden, beim ca. 0,5 mm großen Weibchen mit Krallen. Sie leben in der Haut der Beine und vermehren sich auch dort. Dieses Eindringen und die Stoffwechselprodukte der Milben führen zu Reizungen und Entzündung der Haut.


Diagnose:
Anhand des klinischen Bildes, mikroskopische Untersuchung der Borken.


Therapie:
Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten. Sie können selbst Paraffinöl oder Vaseline mit einem Wattestäbchen auf die betroffenen Stellen auftragen. Dadurch werden die Bohrlöcher verstopft, die Milben ersticken. Die eingeweichten Borken lösen sich wieder ab. Die Behandlung sollte über mehrere Tage wiederholt werden. Wenn die Beine ebenfalls befallen sind, können Sie den Fußring entfernen lassen, um alle Stellen erreichen zu können.
Diese Methode ist allerdings eher für zahme Sittiche geeignet, für scheuere Sittiche ist das mehrfache Einfangen und Einreiben zu stressig.

Falls Sie nicht wissen, wie Sie den Vogel bei der Behandlung richtig halten müssen, fragen Sie Ihren Tierarzt.

Alternativ kann ein vogelkundiger Tierarzt ein Milben-Präperat (meistens Ivermectin) auf den Nacken träufeln (sogenannte "Spot-On-Methode"), das die Milben abtötet. Diese Behandlung muß ein- bis zweimal wiederholt werden.
Zusätzlich sollte darauf geachtet werden, dass der Vogel genügend Vitamine erhält. Streß sollte vermieden werden. Die Hygiene sollte gegebenenfalls verbessert werden.

Verwenden Sie keine Milbensprays aus dem Zoohandel. Sie sind meistens wirkungslos und für die Sittiche, die die giftigen Dämpfe einatmen, oft sogar ungesund.

Federspulmilben
Syringophilus bipectinatus


Alle Sittiche. Federspulmilben kommen im Vergleich zu anderen Milbenarten eher selten vor.


Symptome:
Schlechtes Gefieder, Ausfallen von Federn, vermehrtes Putzen. Im Inneren der Federspulen bildet sich ein graues Pulver, das beim Aufschneiden eines Federkiels sichtbar wird.


Ursache:
Die 0,8 mm langen Federspulmilben (Syringophilus bipectinatus), die sich nahe dem Schaft oder den Federkielen (vorwiegend Schwung- und Schwanzfedern) einnisten und die Struktur der Federspulen zerstören. Die Übertragung der Milben erfolgt durch Körperkontakt.


Diagnose:
Federprobe. Mikroskopischer Nachweis der Milben in der aufgeschnittenen Federspule.


Therapie:
Befallene Sittiche müssen zum vogelkundigen Tierarzt gebracht werden, der ein Medikament gegen Milben (häufig Ivermectin) verabreicht. Die Behandlung muß wiederholt werden. Alle Sittiche in einem Käfig oder einer Voliere sollten mitbehandelt werden. Gefiederbildung und Immunsystem sollten mit Vitaminen und Mineralien sowie UV-Licht unterstützt werden.
Verwenden Sie keine Milbensprays aus dem Zoohandel. Sie sind meistens wirkungslos und für die Sittiche, die die giftigen Dämpfe einatmen, oft sogar ungesund.