Haltungsbedingte Gefiederschäden sind oft mechanisch bedingt.
Zu enge Käfige, zu gut gemeinte Inneneinrichtung oder Überbesatz führen oft zu aufgestoßenen, ausgefransten oder abgebrochenen Fügel- und Schwanzfedern.
Bei Einzelhaltung können sich mechanische Gefiederschäden durch Federrupfen oder Federfressen aus psychischen Störungen einstellen.

Die Einzelhaltung von Psittaziden ist nicht artgerecht und muß aus tierschutzrechtlichen Gründen abgelehnt werden. Besonders Graupapageien und Aras reagieren bei Einsamkeit, Langeweile aber auch bei zu trockener (Heizungs-) Luft, Bewegungsmangel und Fehlernährung oft mit Automutilation. Das Rupfen beginnt in der Regel mit übertriebenem Putzverhalten. Die Vögel beknabbern zunächst einzelne Federn, beißen Teile davon ab und ziehen sich letztlich die gesamte Feder heraus.

Dieses Verhalten kann bis zur vollständigen Kahlheit der Tiere führen. Das Kopfgefieder ist bei Automutilation dagegen nie betroffen, da es für den Schnabel nicht erreichbar ist. Das Anlegen eines Halskragens oder Bestreichen des Gefieders mit bitter schmeckenden Substanzen ist keine kausale Therapie und hat nach Beendigung dieser Maßnahmen ein erneutes Federrupfen zur Folge. Die psychischen Schäden können jedoch während der Anwendung dieser Zwangsmaßnahmen noch zugenommen haben.

Die Therapie zielt deshalb heute auf die Abstellung der Ursachen: Käfigumgestaltung, neue Einrichtung mit Knabbermöglichkeiten, ausgewogenes Futterangebot, ausreichende Luftfeuchtigkeit, genügende Lichtreize und Zusetzen eines geeigneten Partners (artgleiches Gegengeschlecht!) kann das Rupfen beenden. Die Therapie sollte schnellstmöglich begonnen werden, da chronische Rupfer (Tiere, die länger als 6 Monate lang Rupfer sind) nur noch mit großen Schwierigkeiten zu kurieren sind. Die besten Erfolge werden erzielt, wenn die betroffenen Vögel mit mehreren Artgenossen in eine Voliere umgesetzt werden und diese nicht überbelegt ist.

Ungenügende Lichteinstrahlung, zu geringe Luftfeuchtigkeit und unausgewogene Ernährung können außerdem zum Krankheitsbild der Stockmauser führen. Dabei wachsen die Federn besonders im Bereich des Kopfes, der Brust und am Rücken nur verzögert während der Mauser nach; klinisch fallen die vermehrt vorhandenen Federkiele auf, aus denen die Federn noch nicht ausgetreten sind: die Mauser “stockt”, die Vögel leiden unter vermehrtem Juckreiz durch die steckengebliebenen Federn.

Die sogenannten Streßlinien entstehen ebenfalls durch die erwähnten Faktoren, vornehmlich im Zusammenhang mit Phasen erhöhter körperlicher Belastung, z. B. während der Brutsaison. Es handelt sich dabei um Querstreifen in einzelnen Federn, die durch Mangel an Häkchen hervorgerufen werden. Diese Häkchen sind für die Quervernetzung der Seitenäste der Federfahne zuständig. Sind die Vögel während der Neubildung der Feder durch Streß oder Mangelernährung in ihrem Stoffwechsel gestört, kann die Feder nicht einwandfrei aufgebaut werden. Teile der Federn sind dann spröde und brüchig, die Folge ist ein Verlust an Häkchen.

Fütterungsbedingte Gefiederschäden können einerseits direkt, also primär im Zuge einer Mangelernährung auftreten, wenn ein oder mehrere Nährstoffe in unzureichender Menge im Futter enthalten sind (z. B. Vitamin A-Mangel bei alleiniger Körnerernährung), oder indirekt (sekundär) in Erscheinung treten, wenn es durch langanhaltende Fehlernährung (zu fettreiche Nahrung, z. B. Sonnenblumenkerne) bereits zu einer Schädigung des zentralen Stoffwechselorgans Leber gekommen ist. Hier überschneiden sich demnach primäre und sekundäre Ursachen für Befiederungsstörungen.

Bei vielen Exoten ist es aufgrund fehlender Literaturangaben über deren Grundbedarf nicht immer möglich, einen spezifischen Ernährungsmangel festzustellen. Einige Mangelerscheinungen sind jedoch soweit bekannt, daß ihnen klinische Befunde bei der Beurteilung des Gefieders zugeordnet werden können, soweit sie sich nicht überschneiden. Im folgenden werden einige Beispiele aufgezeigt:

Aminosäuren
Bestimmte Aminosäuren müssen dem Körper zugeführt werden - sie sind essentiell. Ein Mangel an Lysin und Methionin kann vor allem bei Tieren auftreten, die selektiv Sonnenblumenkerne fressen. Die Folge ist stumpfes Gefieder und Verblassen der Ursprungsfarbe, teilweise mit Umfärbung von grün nach gelb und grau nach weiß oder rosa.

Lipochrome
Außerdem spielen bestimmte Pflanzenfarbstoffe in der Ernährung eine Rolle. Karotinoide und Xanthophylle müssen dem Körper ebenfalls mit der Nahrung zugeführt und von der Leber zu körpereigenen Pigmenten umgebaut werden. Fehlen diese, kommt es gleichermaßen zu Ent- oder Umfärbungen.

Vitamine
Bei alleiniger Körnerfütterung besteht in der Regel ein chronischer Vitamin-A-Mangel, der sich in Federausfall und übermäßiger Verhornung der Haut äußert. Beim Farbkanari verblasst das Gefieder bei Carotin-Mangel.
Ein Mangel an B-Vitaminen (durch starke Verwurmung verursacht) ruft ein Steckenbleiben der Federn in der Federscheide hervor.
Allgemein gilt: Vitaminmangelerscheinungen werden durch fettreiche Nahrung noch verstärkt.

Mineralstoffe/Spurenelemente
Alleinige Körnerfütterung führt zu einem Mangel an Kalzium und Jod. In den Kernen der Saaten herrscht ein für den Vogel ungünstiges Kalzium/Phosphor-Verhältnis, das bei “Monodiät” über Stoffwechselstörungen zu Knochenerkrankungen und Befiederungsproblemen führt. Jodmangel wirkt sich über eine gestörte Funktion der Schilddrüse auch auf das Gefieder aus und ist demnach ebenfalls sekundär bedingt.


Die Therapie der durch Haltungs- und Fütterungsfehler hervorgerufenen Befiederungsstörungen sollte immer auf die Abstellung der Ursachen abzielen.
Im Wesentlichen bedeutet das die Optimierung der Betreuung des jeweiligen Bestands:
• heller Standort der Voliere oder des Käfigs mit ausreichend langer Lichteinwirkung (evtl. jahreszeitliches Lichtregime)
• genügende, bzw. der Spezies angepaßte Luftfeuchtigkeit (bei Tropenvögeln mind. 60 % rel. LF)
• artgerechte Käfiggröße und -einrichtung (Knabbermöglichkeit, Badegelegenheit, Versteckmöglichkeit)
• artgerechte Fütterung (ausgewogene Mahlzeiten plus für Vögel geeignete Multivitaminpräparate)